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Lokal26.de Wittmund

Persönliches Schicksal: Was tun, wenn die Katze von zu Hause wegläuft?

30.05.2020

Wittmund Es war ein Dienstagabend als Charles Dickens, Rufname Charly, um 21.30 Uhr das Haus verließ, um, wie jeden Abend, seinen Gang durch sein Revier zu ziehen. Seit Wochen hatte der rot-weiße kräftige Kater seinen Biorhythmus umgestellt. Die Baustelle nebenan machte ihm so viel Angst, dass er nun nicht mehr, wie üblich, tagsüber nach draußen ging, sondern die Nacht, wenn es ganz still ist, vorzog.

Straße abgesucht

Der Abend war das letzte Mal, dass die Besitzer ihr geliebtes Haustier sahen. Am nächsten Morgen, er erschien sonst pünktlich um 7 Uhr, gab es von dem Stubentiger keine Spur. Frauchen und Herrchen gingen in der Nachbarschaft herum, fragten, ob ihn jemand gesehen oder ihn vielleicht aus Versehen eingesperrt hat. Natürlich wurden die Grünstreifen an der Hauptstraße abgesucht, in der Hoffnung, das Tier nicht leblos in einer Hecke zu finden – vom Auto überfahren. Aber Charles blieb verschwunden.

Am nächsten Tag wurden Zettel gedruckt an die umliegenden Häuser verteilt, auf Facebook auf „Vermisste Tiere Ostfriesland“ eine Anzeige geschaltet, genau wie bei ebay Kleinanzeigen und der Bauherr nebenan wurde gebeten im Rohbau zu suchen. Die Anteilnahme der Menschen war groß und es stellte sich schnell heraus: Das Schicksal, dass ein Tier spurlos verschwindet, teilen viele. Es gab unzählige Tipps von Tierliebhabern, was passiert sein könnte und was man tun kann, um die Katze wieder zu finden. Der Gedanke, sie könnte angefahren sein und irgendwo verletzt liegen, raubte den Besitzern den Schlaf. Die Ungewissheit war das Schlimmste. Mit jedem Tag schwand die Hoffnung, dass Charles wieder nach Hause kommt. Immer wieder lief das Paar die Wege des Katers ab, rief nach ihm, lauschte, ob es ihn hören könnte – nichts. Auf einen Rat hin wurde das Katzenklo nach draußen gestellt und auch die Schmusedecke von Charly.

Am fünften Tag zogen Frauchen und Herrchen eine Fährte, einen letzten Tipp eines Tierliebhabers, in den sie nun nicht mehr viel Hoffnung legten, aber sie wollten nichts unversucht lassen. In der Dämmerung banden sie ein getragnes T-Shirt und einen anderen Lappen mit Urin des Besitzers an Bändchen. Damit zogen sie los und legten eine Spur von mehreren hundert Metern entlang der Gärten bis zur Wohnungstür. Die Nachbarn wussten Bescheid und wunderten sich nicht weiter über die „Irren“, die mit ihren Lappen Gassi gingen. Die Tür ließ das Paar für den Ausreißer einen Spalt offen, damit er, falls er zurückkommt, auch ins Haus kann.

Fünf Tage vermisst

Fünf Tage nach seinem Verschwinden mitten in der Nacht zu Montag um 2 Uhr wurde das Paar wach von einem leisen Miauzen vor ihrem Bett. „Charly, das gibt es doch gar nicht, wo warst du?“ Herrchen sprang sofort aus dem Bett, machte Licht. Der kleine Ausreißer schmiss sich auf den Boden, wollte nur noch schmusen. Er war unverletzt und unendlich kuschelbedürftig. Schlaf bekamen die drei Glücklichen in dieser Nacht nicht mehr, sie freuten sich alle über das Wiedersehen – über das Happy End. Charles Dickens hatte danach übrigens eine Woche Hausarrest.

Was aber geht in den Tieren vor? Warum bleibt ein kastrierter Kater so lange von zu Hause weg und hat die Fährte wirklich geholfen?

Katzen verschwinden

„Es gibt viel zwischen Himmel und Erde, was man sich nicht erklären kann, vor allem bei Tieren“, sagt Jasmin Rath, die eine Kleintierpraxis in Blersum betreibt. Sie kennt die Sorgen der Besitzer. Auch bei ihr in der Praxis werden im Jahr 15 bis 20 Katzen als vermisst gemeldet. Sinn macht dann, so der Rat der Fachfrau, die Registrierung. Das Tier bekommt entweder eine Tätowierung im Ohr mit einer speziellen Nummer oder einen Chip unter die Haut eingesetzt. So kann das Tier einem Besitzer zugeordnet werden. Auch Ordnungsamt, Polizei und natürlich alle Tierärzte können die Nummer identifizieren. Dafür aber muss eine Anmeldung bei Tasso erfolgen.

„Und genau das machen nicht alle“, sagt Jasmin Rath, die die gechippten und tätowierten Tiere ihrer Praxis gleich registrieren lässt. Immer wieder hört auch die 49-Jährige Geschichten von entlaufenen Katzen wie die, die in Angelsburg und im Gewerbegebiet Ost gesehen wurde und dann schließlich in Carolinensiel aufgegriffen worden ist. Die Katze hat sich womöglich als blinder Passagier in einem Auto mitnehmen lassen. „Lediglich kommt aber geschätzt nur ein Drittel der entlaufenen Katzen und Kater wieder nach Hause“ sagt Jasmin Rath.

Schreckhafte Katzen

Das kennt auch Elfi Kirchdorfer, Vorsitzende des Tierschutzvereins Harlingerland. Auch sie unterstreicht die Wichtigkeit einer Registrierung, die in allen Kommunen des Landkreises Wittmund,bis auf Holtriem, zusammen mit der Kastration Pflicht ist. „Wenn uns eine Fundkatze gemeldet wird, können wir durch den Chip oder die Tätowierung die Katze schnell ihrem Besitzer zurückgeben“, sagt Kirchdorfer, die zusammen mit den Ehrenamtlichen derzeit 21 Katzen auf vier Pflegestellen versorgt. Warum die Tiere von zu Hause weglaufen, kann unterschiedliche Gründe haben, sagt die Vorsitzende. Sie können sich erschrecken und dann für mehrere Tage orientierungslos sein. Oder ein Nachbar füttert sie an. „Deswegen raten wir immer davon ab, Futter nach draußen zu stellen, man lockt damit die Katzen nur von ihrem eigenen Zuhause weg“, erklärt Elfi Kirchdorfer. Die Tiere nur in der Wohnung zu halten, davon ist die Werdumerin auch kein Fan. „Wer sicher gehen will, lässt sein Grundstück einzäunen. Ansonsten bleibt eben immer ein Risiko, wenn der Stubentiger Freigang hat, damit muss man leben“, sagt sie.

Ist auch Ihre Katze verschwunden und nach Tagen oder Wochen wiedergekommen? Dann schreiben Sie uns Ihre Geschichte an Anzeiger für Harlingerland, Redaktion , Stichwort „Katze“, am Markt 18 in 26409 Wittmund oder an


     redaktion@harlinger.de 

Inga MennenLokalredaktion

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